Individuelle Kommunikationen

 

Unser Seelentier gibt uns Aufschluss über unsere ureigenen Besonderheiten und Speziali-sierungen, vielleicht auch Einseitigkeiten – über jene Kombination von Eigenschaften und Fähigkeiten also, die nicht selten auch als Hindernis, Schwäche oder Defizit wahrgenommen wurde oder wird. Über das Seelentier haben wir die Möglichkeit, diese Eigenheiten über eine gleichsam neutrale, „objektive“ Vermittlung zu betrachten bzw. ihre Genialität und Kraft zu erkennen.

Dazu genügt es freilich nicht, jemandem „sein“ Seelentier einfach zu nennen – damit wäre allenfalls eine kurzlebige Neugier befriedigt. Von größter Bedeutung ist die anschließende Kommunikation – wie der Träger des Seelentieres überhaupt auf „sein“ Tier reagiert, und wie er mit der von ihm vermittelten Botschaft in Resonanz geht, und auf welche „Fährten“ das mich und sein Seelentier (meine Wahrnehmung des Seelentieres) wiederum bringt. Zum besseren Verständnis gebe ich im Folgenden einige Schilderungen aus Gesprächen mit Einzelpersonen.

So hatte ich z.B. einmal das Bild einer Wüstenrennmaus, die mir vor allem ihre Schnelligkeit zeigte. Die Person, zu der dieses Seelentier gehörte, bestätigte mir diese Qualität – in ihrem Leben nahm sie diese jedoch meist als problematisch wahr, weil ihr von ihrem Umfeld Ungeduld etc. unterstellt wurde. Die daraufhin latent unterdrückte Schnelligkeit wurde zu innerer Unruhe. In meinem inneren Bild schob die Wüstenrennmaus eine Malkiste vor sich her und zeigte mir dann, wie sie mit irrer Geschwindigkeit ein Bild malte. Das Malen war tatsächlich ein bedeutsames Thema für diese Person, es gab jedoch eine Blockade durch den Verstand, der das Malen kontrollieren wollte. In dem Bild jedoch lag der Schlüssel zur Lösung gerade in dem hohen Tempo: Die Maus malte so schnell, dass sie den Verstand damit völlig überrumpelte.

Die Botschaften des Seelentieres zeigen oft, ob ein Mensch in einer „angemessenen“, das heißt wesensgemäßen Lebensweise begriffen ist oder nicht. Gemeint ist hier: dem Wesen „seines“ Tieres gemäß. Das macht ja die fraglose Vollkommenheit der Tiere aus: das perfekte aufeinander abgestimmt Sein von Wesen, Körperbau, Lebensraum und Verhalten. Unser Seelentier kann uns zeigen, wie auch wir eine bestimmte Umgebung, Tätigkeit und Lebensweise brauchen, damit wir uns unseren Anlagen gemäß optimal entfalten können. In unserem Absolutheitsanspruch weigern wir uns oft, unsere Eigentümlichkeiten bzw. Einseitigkeiten zu akzeptieren – und gehen dadurch in unbewussten Widerstand zu unseren größten Ressourcen.

Da gab es zum Beispiel einen Luchs, der sich in seinem Lebensraum sehr fremd fühlte. Es stellte sich heraus, dass dies auf die betreffende Person ebenso zutraf – und dass es darüber hinaus einen Revierkonflikt gab. Ein Luchs braucht ausreichend Lebensraum für sich, und er wird nie ein Herdentier sein. Im Gespräch wurde klar, dass es eine große qualitative Veränderung schon allein dadurch gibt, dass wir so etwas anerkennen und falsche Ansprüche an uns selbst loslassen.

Die Szenen, in denen ich die Tiere wahrnehme, bringen jene Themen zum Ausdruck, die gerade gesehen werden wollen – etwa wo wir im oben angesprochenen Sinn uneins sind mit uns. Oft teilen die Tiere mit, welche Verfassung im Augenblick oder insgesamt die vorherrschende ist, wie es um die Kraft und die Bedürfnisse des Trägers bestellt ist. Sie zeigen bereits genutzte, brachliegende oder überhaupt noch unbewusste Ressourcen ebenso wie mögliche Entwicklungen auf.

Ein sehr berührendes Beispiel war die Wahrnehmung eines Fuchses, der zusammen mit Mardern unter Autos kroch. In mir tauchte die Analogie zu einem Kind auf, das in einer sehr wesensfremden Familie aufwuchs und somit Verhaltensweisen erlernen und sich in Lebensräumen aufhalten musste, die nicht die seinen waren.

Bei einem Wal nahm ich starke Nervenbeschwerden, Zucken und Stau wahr; besondere Schmerzen gab es auf der rechten Seite. Ich fragte nach Vaterthemen. Es gab tatsächlich Schwierigkeiten mit dem Vater, und der Wal wies darauf hin, dass dieses Feld geklärt werden musste. Und die Zustände von Nerven-Überreizung und Stau waren der Person ebenfalls bestens bekannt. Über die Kommunikation mit dem Wal wurde deutlich, dass jene Zustände auf kosmische Schwingungen zurückzuführen waren, die der Wal aus seiner geistigen Heimat empfängt und die kanalisiert werden müssen. Sehr berührt war ich, als durch den Wal vermittelt wurde, dass dies über Gesang geschehen solle.

Manchmal zeigen die Seelentiere besondere Gaben, die sich nicht allein aus dem „biologischen“ Wesen des Tieres herleiten lassen.

So sah ich einmal ein Eichhörnchen, welches einzelne Worte in Großbuchstaben auf Blätter schrieb, die es dann hochhielt und mir zeigte. Im Gespräch erfuhr ich, dass es die besondere Gabe und Leidenschaft dieser Person war, den Kern (!) einer Sache, Geschichte etc. zu erfassen und entsprechende Zusammenfassungen zu schreiben.

 Gelegentlich gesellen sich auch spezielle „Helfertiere“ an die Seite des Seelentieres.

Einmal zeigte sich mir ein Pferd, das ich jedoch nur indirekt wahrnehmen konnte – so als wäre es aus der Umgebung ausgeschnitten und ich könne nur am Umriss erkennen, dass da überhaupt ein Pferd war. Es war einfach nicht substantiell. Wie sich herausstellte, war die dazugehörige Person seit Jahren krank und vollkommen geschwächt. Erst als ein Hahn hinzukam, war das Pferd physisch wiederum ganz da.

Umgekehrt kommt es auch vor, dass ich zunächst einmal Tiere wahrnehme, die nicht das Seelentier selbst sind, sondern Wesen, die mit bestimmten Themen auf das Seelentier vorbereiten.

Eine sehr spezielle Reise gab es mit einer Forelle, die ihren Lebensraum ‑ den Fluss ‑ verließ, um senkrecht nach unten zu „tauchen“, tief in die Erde hinein. Dort kam sie zu einer Knolle, in der jede Menge Information gespeichert war, mit der sie dann wiederum auftauchen konnte. Plötzlich änderte sich das Bild – und ein Delfin sprang aus dem Wasser. Ich spürte, dass wir nun zum eigentlichen Seelentier vorgedrungen waren.

 Nicht selten erlebe ich das Tierwesen wie ein Tor, durch das wir schreiten können, um einen höheren geistigen Aspekt unserer selbst oder eine seelisch-geistige Herkunft bzw. Zugehörig-keit zu erkennen. Dazu einige Beispiele:

Ein roter Fisch in einem südamerikanischen Fluss, der sich in eine Pfeilspitze verwandelt, dann das Bild eines Kriegers. Ich habe den Impuls, den Fisch nach seinem Namen zu fragen. Er antwortet: Maya.

 Eine weiße Gans, die sich plötzlich ausdehnt und zu einem großen Marienwesen wird; ein Erdmännchen, dass sich ebenfalls ausdehnt und sich in einen alten, weisen, biblisch anmuten-den Hirten verwandelt; ein Bartgeier, der sich wirbelnd aus höchster Höhe herunter stürzt und in einem Kornfeld einen Kornkreis erzeugt, der wiederum exakt seine Form hat…

Die Szenen, die sich mir zeigen, haben die Dynamik, sich selbst zur Lösung hin zu entwickeln, sobald sie ausreichend begriffen worden sind. Dafür bin ich allerdings, wie schon eingangs betont, angewiesen auf den Dialog: Die Botschaft des Seelentieres braucht die Rückkoppelung mit dem Selbsterleben seines Trägers, braucht so etwas wie eine Bestätigung, um sich entfalten zu können.

Das Bild von einem Wolf, der seinen Blick vor sich her schweifen ließ und dabei recht verloren wirkte, erschloss sich erst, als ich erfuhr, dass die Person in gleicher Weise suchend in ihr Leben blickte und auf die vielen Möglichkeiten darin, aus der sich keine in besonderer Weise hervorhob. Als ich dieses Bild begriffen und kommuniziert hatte, zeigte sich vor dem Wolf noch klarer ein ganzes Spektrum von Möglichkeiten, wie ein ausgebreiteter Fächer. Nun konnten wir mit dem Wolf arbeiten – und tatsächlich traten bald zwei Punkte aus dem Spektrum hervor, die wir gemeinsam anschauen konnten.

Viele Bilder erschließen sich nicht unmittelbar, und es kann zu Unschärfen bzw. Irrtümern kommen, wenn ich versuche, sie „auf eigene Faust“ zu interpretieren. Allerdings ist es leicht zu erkennen, wenn ich derart „auf dem Holzweg“ bin: Das Gefühl der Unstimmigkeit ist einfach zu deutlich. Wenn ich andrerseits etwas „richtig“ erfasse, erlebe ich ein starkes, körperliches Gefühl von Resonanz und Berührung, ein „elektrisches“ Kribbeln.

Einmal hatte ich Scheu, meinen ersten Impuls auszusprechen: Ich hatte ein Stinktier wahrgenommen. Wer möchte schon ein Stinktier „sein“? Doch gerade damit hatte mir das Stinktier auch schon seine große Fähigkeit präsentiert – nämlich zu irritieren. Und diese Gabe durfte ich auch gleich „am eigenen Leibe“ erfahren: In der Vermeidung des Anfangs-impulses ließ ich mich auf eine Geschichte mit einem Dachs ein – und stand plötzlich in völliger Dunkelheit. Nichts ging mehr, und ich musste das Gespräch beenden. Als ich danach spazieren ging, sortierte sich plötzlich alles: In unmissverständlicher Klarheit zeigte sich wiederum das Stinktier, der ganze Vorgang wurde mir klar – und ich hatte sehr starke Resonanzempfindungen. Natürlich gab es dann noch ein Extra-gespräch – in welchem eine umso größere Klarheit herrschte.

 Unabhängig aber vom Gespräch und den verschiedenen gemeinsamen „Deutungs-Versuchen“ wirken die Bilder für sich; deshalb versuche ich auch, immer wieder zum Bild zurück zukommen. Manchmal bleibt es sogar beim „bloßen“ Bild – ohne dass ich und die betreffende Person es entschlüsseln bzw. auf ihr konkretes Leben beziehen könnten.

 So geschehen bei dem Bild einer Taube, die am Rande eines Taufbeckens saß und ein Ei hinein legte. Es blieb bei diesem Bild. Ich denke aber, dass ein derart symbolträchtiges Bild eine große Kraft in sich trägt, auch – oder gerade – jenseits unseres verstandesmäßigen Begreifens.

Meinem Verständnis nach sind wir immer bereits verbunden mit unserem Seelentier. Es be- deutet jedoch einen großer Gewinn, diese Verbindung bewusst zu gestalten und für unsere Entwicklung zu nutzen. Deshalb stelle ich dem Seelentier immer die Frage, wie eine bewusste Verbindung am besten gepflegt werden kann. Die Seelentiere geben darauf oft sehr konkrete und individuelle Antworten.

Ein Steinbock gab die Antwort: „Die lustvolle Auseinandersetzung pflegen“, bei einem Schmetterling war es der Hinweis „sich selbst die Ehre zu erweisen“; ein Schaf hatte gab die Anregung: „Indem du dich selbst warm und geborgen hältst“.

 

All diese beispielhaften Hinweise erschließen sich in ihrer Tiefe und Bedeutsamkeit natürlich nur für die betreffende Person selbst.

Eine tiefere Verbindung zum Seelentier kann auch über die Beobachtung des tatsächlichen Tieres entstehen – entweder in natura, wenn dies möglich ist, oder über Filmmaterial. Die Beschäftigung mit Lebensraum, Lebensweise und Sozialverhalten des Tieres führt oft zu ganz erstaunlichen Erkenntnissen.

Darüber hinaus gibt es zu sehr vielen Tieren schönes Material darüber, was ihre Qualitäten im übertragenen Sinne bedeuten (siehe Jeanne Ruland und andere).

Dem Umgang mit dem Seelentier sind keine Grenzen gesetzt. Viele Menschen sind mit der inneren Arbeit und/oder der schamanischen Arbeit vertraut und gehen auf ihre eigene Weise mit dem Seelentier um. Ich würde mich sehr freuen, auch darüber mehr zu erfahren.